Sonntagskonzert Bandonionorchester Carlsfeld
Sonntag, 29. April 2018, Beginn: 15:00 Uhr

Carlsfeld – ein Mekka der Bandonionmusik

Legendäres Volksinstrument wurde in seiner Heimat wieder zum Klingen gebracht

Viele Carlsfelder verdienten über Jahrzehnte hinweg ihr Brot durch den Bau von Bandonions und Konzertinas. Es begann schon 1847, als Carl Friedrich Zimmermann im „Haus am Bach“ Harmonikas bauen ließ, die er 1852 sogar auf der Weltausstellung in London und 1854 auf der Industrieausstellung in München zeigte. Sein Nachfolger Ernst Louis Arnold verlegte seine wachsende Produktion 1888 in das ehemalige Schulgebäude und baute eine neue Werkhalle. Sein Betrieb wurde bald als ELA bekannt. Alfred Arnold, einer seiner Söhne, gründete 1911 eine eigene Firma, die Bandonion- und Konzertinafabrik Alfred Arnold, deren Bandonions mit dem Signet „AA“ Weltruhm erlangten. Berühmte Künstler wie Walter Pörschmann, Ernstguido Naumann, Kurt Adami, Ernst Kusserow, Gustav Kanter u.a. spielten Carlsfelder Instrumente. Auch die  Carlsfelder selbst hatten ihre Bandonionorchester und Solisten. Doch der größte Teil der Carlsfelder Bandonions ging nach Südamerika, wo sie den Tango beflügelten und das Lebensgefühl der Südamerikaner perfekt zum Ausdruck brachten. Carlsfeld wurde das international anerkannte Zentrum der Bandonionproduktion. Noch heute werden Instrumente mit dem Signum „AA“ in Lateinamerika hoch geschätzt, und der Name Alfred Arnold wird sehr verehrt.

Weltwirtschaftskrise und Krieg beeinträchtigten die Produktion. In der DDR wurden sowohl die ELA als auch die Firma Alfred Arnold enteignet und dem VEB Klingenthaler Harmonikawerke angegliedert. 1964 ging die Bandonionproduktion in Carlsfeld aufgrund fehlender Nachfrage zu Ende. Die Bandonionmusik schien im Ort für immer verstummt zu sein, die Produktion war erloschen.

Doch 1993 erklang wieder Bandonionmusik im Ort. Der Fremdenverkehrsverein gestaltete gemeinsam mit dem Bandonion- und Konzertina –Orchester Chemnitz ein Bandonionkonzert. Der Erfolg beflügelte die Organisatoren, jährlich ein Treffen der Bandonionfreunde zu veranstalten. Seit 1995 kommen nun jährlich Anfang Oktober Bandonionorchester und Musikfreunde zum Bandonionfestival nach Carlsfeld. Waren anfangs vor allem deutsche Orchester vertreten, verzauberten bald auch internationale Solisten und Ensembles so aus Italien, Österreich, Holland, Uruguay und Argentinien, ihre Zuhörer mit der Bandonionmusik. Die Konzerte haben sich zu kulturellen Höhepunkten in der Region und zu touristischen Anziehungspunkten entwickelt.

Die Carlsfelder selbst konnten damals bei diesen Konzerten kaum einen künstlerischen Beitrag leisten. Lediglich zwei Jungen, Robert Wallschläger und später auch sein jüngerer Bruder Richard, demonstrierten gemeinsam mit ihrem Lehrer Dieter Seidel, der früher als Bandonion-Stimmer gearbeitet hatte, ihre ersten musikalischen Fähigkeiten.

Eine systematische Pflege des musikalischen Erbes in Carlsfeld begann mit der Gründung des Bandionvereins Carlsfeld e. V. im Jahre 2001. Um die kleine Dreier-Gruppe scharten sich einige ältere Spieler, aber vor allem auch jüngere Liebhaber des Instrumentes.
Heute besitzt Carlsfeld ein eigenes Bandonionorchester, in dem bis zu 18 Musiker mitspielen. Chef des Orchesters ist Robert Wallschläger. Als künstlerischer Leiter wirkt Rico Schneider, studierter Kirchenmusiker und Chef des Klingenthaler Stadtorchesters. Durch regelmäßige Probenarbeit und gute fachliche Anleitung hat sich das Orchester zu einem Klangkörper entwickelt, der den Vergleich mit langjährigen Orchestern nicht zu scheuen braucht. Renommierte Bandonionspieler wie Christoph Gruner aus Stollberg und zeitweilig Rudolf Hammer aus Kassel gehören dem Orchester an. Bei den jährlichen Bandonion-Festivals ist der Auftritt der Carlsfelder ein inzwischen selbstverständlicher Programmpunkt.
Aber auch in Chemnitz, so zu den Tagen der Industriekultur oder während der Tage der erzgebirgischen Folklore in der Chemnitzer Stadthalle, sind Carlsfelder Bandonionspieler gern gehörte Gäste. Ebenso erfreuen sie regelmäßig im Wasserschloss Klaffenbach, in der „Goldenen Sonne“ in Schneeberg, im Besucherbergwerk Pöhla, in Klingenthal und andernorts ihre Zuhörer. Während der Tage der Industriekultur in Chemnitz knüpfte der BVC bewusst auch an die Chemnitzer Tradition der Concertina –Produktion in der Fa. Uhlig & Lange an.

Seit 2004 gestaltet der Bandonionverein alljährlich im Heimatort ein Maikonzert, zu dem das Orchester selbst sein vielfältiges Programm von Volksmusik über Klassik bis zum Tango darbietet und auch renommierte Künstler aus aller Welt einlädt.

So waren u.a. Bandonionsolisten aus Argentinien wie Omar Subelza oder Louis Stazo mit seiner Gruppe „Stazo Mayor“, die deutschen Bandonionisten Stephan Langenberg, Karin Eckstein, Jürgen Karte sowie das Berliner „Quinteto Angel“ in Carlsfeld zu Gast.
Auch diese Konzerte ziehen Besucher und Touristen aus nah und fern in ihren Bann und festigen den Ruf Carlsfelds als Heimat des Bandonions und Mekka der Bandonionmusik.
Die Vormittage dieser Maikonzerte sind dem Nachwuchs gewidmet. Wer sich am Bandonion oder an der Konzertina selbst versuchen möchte, kann dies in einem Workshop unter fachlicher Anleitung tun. Schon einige dieser Probanden haben dabei das Musizieren für sich entdeckt.
Inzwischen ist auch aus internationalen Fachkreisen der Wunsch nach weiteren Workshops und Erfahrungsaustauschen für Solisten an den Verein herangetragen worden.

Die Nachwuchsarbeit wird im Orchester groß geschrieben. Robert Wallschläger, inzwischen Bandonionvirtuose und ehrenamtlicher Musiklehrer, bildet erfolgreich junge Leute aus. So gehören zwei seiner Schüler, der heute 16jährige Valentin Mende und die 15jährige Anne Heinz, zu den guten Stammspielern des Orchesters. Anne Heinz wiederum unterrichtet bereits drei kleine Carlsfelder zwischen 6 und 7 Jahren. Auch Christoph Gruner hat junge Nachwuchstalente unter seine Fittiche genommen.

Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden zum diesjährigen Maikonzert demonstriert: Sieben junge Nachwuchsspieler zwischen 8 und 15 Jahren gaben ihr Konzertdebüt und wurden vom Publikum gefeiert – ein Erfolg, der wohl bislang einmalig in Deutschland ist.
Auch im Ortsbild von Carlsfeld hat der Bandonionverein die Geschichte des Instrumentes sichtbar gemacht. Auf dem Gelände des ehemaligen ersten Zimmermannschen Betriebes erinnert ein Bandoniondenkmal an die Ursprünge des Instrumentenbaues. Ein Lehrpfad führt an weitere ehemalige Produktionsstätten. Von der Wiederbelebung der Tradition zeugen auch eine Broschüre zur Geschichte, zwei CD´S und verschiedene Flyer, die durch Vereinsmitglieder erarbeitet worden sind.
Die Entwicklung und die Aktivitäten des Vereins zur Bewahrung der Industriekultur werden auch durch das günstige regionale Umfeld getragen:
So werden in Carlsfeld wieder Bandonions und andere Handzuginstrumente gebaut und repariert. Robert Wallschläger, Vorsitzender des BVC, hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er spielt nicht nur das Instrument als Solist und im Orchester, sondern baut es auch. In Klingenthal erlernte er Handzuginstrumentenbau, legte 2006 seine Meisterprüfung ab und gründete 2007 seinen eigenen Handwerksbetrieb. Im alten Gebäude der ELA, das er gegenwärtig ausbaut, können die Besucher dem jungen Meister bereits über die Schulter schauen. Seine Bandonions tragen das Signum „RW“, aber er ist auch stolz auf seine heimatlichen Wurzeln, die unter dem Markenzeichen „AA“ noch heute weltbekannt sind.

Weiterhin existiert im Ort bereits eine kleinere Sammlung zur historischen Instrumentenproduktion, derzeit verwaltet vom Fremdenverkehrsverein. Ebenso ist eine private Instrumentensammlung im Ort für Touristen zugänglich und ergänzt den „Bandonionort“ als Heimat des Instrumentes und der Bandonionmusik.

Der Bandonionverein Carlsfeld sieht für seine weitere Entwicklung folgende Schwerpunkte:

1.      Absicherung des musikalischen  Niveaus des Orchesters
2.      weitere Förderung und Absicherung der Nachwuchsarbeit
3.      Aufbau eines Bandonionzentrums unter Einbeziehung der vorhandenen regionalen, nationalen und internationalen Potenzen und Verbindungen

Der BVC e.V. arbeitet eng mit den bestehenden kommunalen Einrichtungen der Region zusammen. Das geschieht vor allem unter dem Gesichtspunkt, kulturelle Identität, sowie traditionelle Arbeits - und Lebensgemeinschaft in das moderne Gemeindeleben zu integrieren und durch überregionale sowie internationale Information und Kommunikation zu erweitern.

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Veranstalter: DGS Stollberg mbH, Gärtnereiweg 21, 09366 Stollberg

EINLASS / BEGINN:
13:30 Uhr / 15:00 Uhr
PREIS:
ab 7,00 € (zusätzliche Gebühren können anfallen)

 

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